Natalia Montes wurde in Zimmer 12 gebracht wie jemand, der zum Schlachthof geschickt wird.
Sie arbeitete noch nicht einmal drei Wochen im Marine-Spezialkrankenhaus südlich von Mexiko-Stadt, und schon wusste jeder, wie man sie auslachte.
Sie sagten, er habe leise gesprochen.
Sie ging, als ob sie um Erlaubnis bitten würde.
Ihre hellblaue philippinische OP-Kleidung sah aus, als wäre sie gerade erst aus einem Karton genommen worden, zu sauber für jemanden, der in einem Krankenhaus überleben wollte, in dem Erschöpfung die Menschen grausam machte.
An diesem Morgen warf Maribel Ortega, die dienstälteste Krankenschwester der Schicht, eine Akte auf den Tresen.
—Du hast das Unmögliche geschafft, Liebes.
Tomás, ein 26-jähriger Anwohner, zog mit einem schiefen Lächeln sein Handy heraus.
—Das ist für die Gruppe. Mal sehen, wie lange es dauert, bis sie weinend herauskommen.
Natalia blickte auf.
-Wer ist es?
Maribel stieß ein trockenes Lachen aus.
—Zimmer 12. Alejandro Salceda. Ehemaliges Mitglied der US-Spezialeinheiten. Taub durch eine Explosion, mit einem amputierten Bein und dafür bekannt, alles zu zerstören, was ihm vor die Flinte kommt. Niemand kann ihn ausstehen.
Dr. Roberto Cárdenas erschien hinter ihnen in seinem tadellosen Laborkittel, mit seinem teuren Kaffee und dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der Autorität mit Verachtung verwechselte.
—Montes, messen Sie seine Vitalwerte, geben Sie ihm die Medikamente und verschwenden Sie nicht meine Zeit. Der Patient will einfach nur behandelt werden.
Natalia öffnete die Datei.
Fieber 38,4.
Geringe Sättigung.
Schneller Puls.
Rippenschmerzen.
Mehrere rot markierte Anmerkungen: aggressiv, paranoid, unkooperativ.
Natalia spitzte die Lippen.
Ich hasste dieses Wort: paranoid.
Es bedeutete fast immer, dass niemand zuhören wollte.
Sie ging auf Zimmer 12 zu, während ihr Kichern den Flur entlang folgte wie Kieselsteine auf ihrem Rücken.
Durch das Glas sah sie, dass Alejandro auf dem Bett saß, nicht lag.
Sein Rücken war gegen die Wand gepresst, ein Bein unterhalb des Knies amputiert, sein Gesicht vom Schmerz verzerrt, und seine schwarzen Augen suchten jeden Winkel ab.
Er wirkte nicht verrückt.