» Ja. «
Sie blickte sich noch einmal um.
«Das ist also der Grund, warum du nie über dein Haus sprechen wolltest?»
Er nickte.
„Als ich nach Asaba kam, war es nicht einfach“, erklärte er. „Ein Freund hat mir geholfen, diesen Ort zu finden. Seitdem versuche ich nur noch, Geld zu sparen und zu überleben.“
Tamas Brust schnürte sich zusammen.
Sie stellte sich vor, wie er jeden Abend nach der Arbeit in dieses leere Zimmer zurückkehrte. Allein aß. Allein schlief. Seine Sorgen still mit sich trug und dabei dasselbe unbeschwerte Lächeln aufsetzte, in das sie sich verliebt hatte.
«Das hättest du mir sagen sollen», sagte sie.
Dazibo senkte den Blick.
«Ich hatte Angst.»
« Wovor hast du Angst? »
Er zögerte, bevor er antwortete.
« Aus Angst, du würdest sehen, woher ich komme, und entscheiden, dass ich nicht gut genug bin. »
Einen langen Moment lang sprach keiner von beiden.
Die Geräusche der Nachbarschaft drangen durch die offene Tür – Kinderlachen in der Ferne, leises Radiohören aus einem nahegelegenen Haus, das Summen des Abendlebens um sie herum.
Dann trat Tama ein.
Sie schritt langsam durch den Raum und nahm jedes Detail in sich auf.
Sie berührte die rissige Wand sanft mit den Fingerspitzen.
Sie strich die dünne Decke auf der Matratze glatt.
Sie nahm eine Tasse vom Tisch und stellte sie ordentlich neben den Wasserkocher.
Als sie sich wieder zu ihm umdrehte, glänzten Tränen in ihren Augen.
« Dazibo«, sagte sie leise, « glaubst du wirklich, dass mich das alles interessiert? »
Er schaute weg.
« Das wusste ich nicht. »
Sie ging auf ihn zu, bis nur noch wenige Zentimeter sie trennten.
»Hör mir gut zu«, sagte sie. »Ich habe mich nicht in ein Haus verliebt. Ich habe mich in den Mann verliebt, der mich bei Regen nach Hause begleitet. In den Mann, der sich daran erinnert, wie ich meinen Tee trinke. In den Mann, der Fremden hilft, ohne etwas dafür zu erwarten.«
Sie nahm seine Hände in ihre.
«Dieser Raum sagt mir nicht, wer du bist. Er sagt mir, wie hart du gekämpft hast.»
Zum ersten Mal an diesem Abend füllten sich Dazibos Augen mit Gefühlen.
Aber er sagte immer noch nichts.
Denn was Tama nicht wusste, war, dass nichts davon real war.
Das alte Haus gehörte einem entfernten Verwandten, der sich bereit erklärt hatte, ihm für einen Abend zu helfen.
Die Wahrheit war kaum zu glauben.
Dazibo war nicht arm.
Er war einer der jüngsten Milliardäre im Bundesstaat Delta.
Er besaß Logistikunternehmen, Immobilienprojekte und landwirtschaftliche Investitionen in ganz Südnigeria. Sein Reichtum war immens, doch er hatte ihm mehr Enttäuschung als Glück gebracht.