— Olya, lass uns nicht mit der Hysterie anfangen. Das ist kein Gier, sondern eine normale, erwachsene Einstellung. Getrennte Kosten, getrennte Verantwortung. Jeder zahlt seinen Anteil — sagte Igor,
Olya sah ihn an. Sie hob die Stimme nicht, gestikulierte nicht. Sie sahen ihn nur lange an, als würde sie versuchen zu entscheiden, ob das ernst gemeint war oder nur ein schlechter Scherz.
— Normale Einstellung? — fragte sie schließlich leise. — Meinst du das ernst? Du schiebst mir die Hälfte der Miete zu und hältst dich gleichzeitig für ein Finanzgenie, während Benzin, Versicherung, Kindergarten,
Kinderkleidung, Reinigungsmittel, Lebensmittel… sich angeblich von selbst erledigen?
Igor winkte ab, als wäre ihm dieser emotionale Lärm zu viel.
— Mach kein Drama daraus. Ich habe einfach genug von diesem finanziellen Chaos. Meine Mutter hat recht, bei uns gibt es keine Ordnung im Geld. Du gibst aus, ohne darüber nachzudenken.
Olyas Lippen zitterten kurz, aber es war kein Lächeln.
— Ich gebe aus, ohne darüber nachzudenken? — Wiederholte sie. — Habe ich dir Winterreifen gekauft? Habe ich deine Schulden bezahlt, als du noch zweihundertsiebzig Kronen auf dem Konto hattest vor dem Gehalt?
Habe ich dir Essen ins Büro bestellt, weil du „keine Zeit zum Essen“ hattest?
Das Gesicht des Mannes verhärtete sich.
— Siehst du, genau das meine ich. Du machst aus allen Vorwürfen. Ich habe mich entschieden: Ab diesem Monat getrennte Kassen. So ist es für mich ruhiger. Und essen werde ich bei meiner Mutter. Dort macht man wenigstens kein Drama wegen einem Stück Fleisch.
Aus dem Kinderzimmer kam das leise Rattern von Plastikautos. Ihr Sohn Levente murmelte beim Spielen vor sich hin. Olya sah automatisch hin und atmete langsam aus.
— Also ein erwachsener Mann, der glaubte, Selbstständigkeit bedeutet, zurück zur Mutter zum Abendessen zu rennen?
— Ich will einfach kein Geldautomat sein — erwiderte Igor scharf. — Und außerdem sieht meine Mutter solche Dinge klarer. Sie sagt, du bist durch das gemeinsame Konto verwöhnt worden.
Olya lächelte zum ersten Mal. Ein müdes, bitteres Lächeln.
— Wie schön… „verwöhnt“. Und was hat deine Mutter noch gesagt?
— Dass ich zu nachgiebig bin. Dass eine Frau Geld erst dann schätzt, wenn sie selbst dafür bezahlt. Und das stimmt auch.
Olya nickte.
– Darm. Dann lebe deine Wahrheit.
Igor griff nach seiner Jacke.
— Genau das werde ich tun — sagte er und schlug die Tür hinter sich zu. Die Tassen im Regal zitterten.
Olya blieb einen Moment in der Stille stehen. Dann klingelte ihr Telefon. Ihre Freundin Svetlana.
– N / A? — fragte sie sofort. — Ist das Familien-Finanzgipfeltreffen vorbei?
– Vorbei – sagte Olya leise. — Getrennte Kassen. Mein Mann isst bei seiner Mutter. Da hat eine Art Familienbankfiliale eröffnet.
— Mein Gott… und was machst du?