„Magda! Was machst du denn mitten in der Woche hier?“
Frau Halinas scharfe, helle Stimme kam vom Zaun herüber und ließ Magdalena zusammenzucken.
„Deine Leute sind gestern Abend hier weggefahren. Und deine Schwiegermutter, Krystyna, hat durch die ganze Gasse gebrüllt, dass du hier nichts mehr zu sagen hast und dass dich niemand fragen wird!“
Magdalena blieb am Gartentor der Familienparzelle stehen und umklammerte den Schlüsselbund so fest, dass sich die Metallzähne in ihre Haut drückten. Das alte, verrostete Schloss war kühl und feucht vom Morgentau.
Noch am Abend zuvor hatte Paweł ihr versichert, er müsse länger im Amt bleiben, weil er den Quartalsbericht abschließe. Aber die klebrige Unruhe, die seit dem Morgen unter ihren Rippen saß, hatte sie in der Stadt nicht stillhalten lassen.
Sie stieß die Holztür der Veranda auf.
Statt des vertrauten, warmen Geruchs nach Kiefernbrettern, getrocknetem Thymian und vergilbten Büchern schlug ihr ein saurer, schwerer Gestank entgegen. So rochen billige Kneipen am Bahnhof: verschütteter süßer Wein, vertrockneter ranziger Speck und feuchte Lappen, in denen seit Langem Schimmel wohnte.
Auf dem Tisch mit der alten Wachstuchdecke, auf der verblasste Gänseblümchen waren, standen drei leere Flaschen vom billigsten Obstwein. Daneben lag ein Teller mit grauen Speckstücken, umschwärmt von trägen, fettigen Fliegen.
Magdalena ging ins Zimmer und blieb wie angewurzelt stehen.
Auf dem Bett lag die weiße Häkeldecke aus Spitze. Ihre Großmutter hatte sie von Hand gemacht, mit einer dünnen Häkelnadel und Baumwollgarn, über zwei lange Winter hinweg. Sie hatte sie wie einen Schatz gehütet und nur hervorgeholt, wenn es im Haus wirklich festlich war.
Jetzt lagen mitten auf dieser zarten weißen Fläche riesige violette Badeschlappen aus billigem Gummi. Von ihren Sohlen rieselte getrockneter, grauer Lehm auf die Spitze.
Magdalena atmete langsam ein, drehte sich um und ging in den Garten.
Dort, wo noch am vergangenen Sonntag die großen rosafarbenen Köpfe der edlen Pfingstrosen Festiva Maxima angeschwollen waren, die ihr Großvater Jan vor vierzig Jahren aus einer Baumschule bei Krakau mitgebracht hatte, gähnte nun nackte Erde. Die Büsche waren nicht zurückgeschnitten worden.
Man hatte sie brutal mit dem Spaten herausgerissen, ausgefranste Löcher hinterlassen und dann alles großzügig mit grauem Salz aus der Packung bestreut, damit die Wurzeln garantiert nie wieder ausschlugen.
Nicht weit davon entfernt glänzte in der Feuerstelle eine verkohlte Kette matt im Aschegrau. Die Holzschaukel mit den geschnitzten Seiten in Form von Schwanenflügeln war verschwunden — das Letzte, was ihr Großvater vor seinem Tod mit eigenen Händen gebaut hatte.
Jemand hatte sie einfach mit der Axt zu Brennholz zerhackt.
„Magda, warum sagst du denn nichts?“ Frau Halina stand schon direkt am Zaun und sprach, die Brust an die Latten gelehnt, noch lauter. „Ich sage dir doch: Deine Krystyna hat sich hier aufgeführt, als wäre alles ihres. Sie hat gebrüllt, Schluss mit diesem herrschaftlichen Luxus und diesen nutzlosen Gestrüppen. Die Familie braucht Kartoffeln, hat sie gesagt, und das Fräulein soll in der Stadt im Block ihre Launen ausleben, sie sei schließlich keine Prinzessin.“
Sie holte Luft und schnaubte verächtlich.
„Und die Schaukel von deinem Großvater hat sie selbst mit der Axt zerhackt. Sie sagte, trockenes Holz, perfekt für den Grill. Und dein Paweł hat ihr nur die Taschen getragen und die Augen gesenkt.“
Magdalena ließ sich auf die alte Bank am Zaun sinken. Mit den Fingern berührte sie das raue Holz, vom Regen und von den Jahren grau geworden.
„Paweł hat getragen?“, fragte sie leise, fast farblos.
„Und wie! Er hat ihr sogar selbst die Schlüssel gegeben. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sie sie ihm aus der Hand genommen hat. Danach hat sie am Brunnen geprahlt: „Na, wir haben das Mädel unter Druck gesetzt. Jetzt wird die Parzelle auf Pawełek laufen, die Papiere sind schon beim Gericht.““
Magdalena zog das Handy aus der Jackentasche und öffnete die elektronische Einsicht ins Grundbuch sowie die eingereichten Anträge.
Der Smartphone-Bildschirm spiegelte die Sonne. Sie kniff die Augen zusammen und starrte auf das kreisende Ladesymbol. Nach einigen Sekunden aktualisierte sich die Seite, und neben der Rubrik „Status des Antrags“ erschien eine rote Anmerkung: „Verfahren zur Eintragung ausgesetzt“.
Sie tippte auf den Link, lud die angehängte PDF-Datei herunter und öffnete sie.
Vor sich sah sie den Entwurf einer Schenkungsurkunde für die Freizeitparzelle mit einer Flurstücksnummer, die mit 1465/… begann, samt hölzernem Sommerhaus.
Schenkerin: Magdalena Anna Wiśniewska.
Beschenkte: Krystyna Maria Wiśniewska.