Bevor sie ihre Feder verlor, befreite sie einen verwundeten Adler, doch im Morgengrauen kehrte sie mit Beweisen zurück, die ihren verräterischen Neffen zu Fall brachten und das ganze Dorf vor dem Schweigen bewahrten.

An dem Tag, als Tomás Rentería erfuhr, dass sein eigener Neffe den Berg samt Quelle verkauft hatte, schrie er nicht.

Unfälle mit Verkehrsmitteln aller Art

Er legte die Machete einfach auf den Holztisch, blickte in Richtung der Hügel der Sierra Tarahumara und spürte, wie etwas Altes in ihm zerbrach.

Mateo war nicht irgendein Junge.

Er war der Sohn seiner toten Schwester, das  Kind, das Tomás in seinen Armen getragen hatte, als es noch nach Milch roch, der Junge, den seine Frau, Doña Jacinta, aufgezogen hatte, als wäre er ihr eigener, denn „Blut wird nicht aufgegeben, selbst wenn es krumm fließt“.

Doch an diesem Morgen kam Don Aurelio, der Ejido-Kommissar, mit bleichem Gesicht und fest in den Händen umklammerter Mütze auf die Ranch.

—Tomás… sie haben bereits unterschrieben.

Geografisches Referenzmaterial

Der alte Mann rührte sich nicht.

-Wer ist es?

Don Aurelio schluckte schwer.

—Die Versammlung. Sie sagen, die Holzfällerfirma dürfe nach Ojo del Venado fahren. Dort oben wollen sie die Kiefern fällen.

Tomás blickte in Richtung des Pferchs, wo zwölf magere Kühe aus dem Bach tranken, der unter diesen Bäumen entsprang.

Wenn man diesen Berg abtragen würde, würde das Wasser verschwinden.

Geologie

Und wenn das Wasser verschwände, gäbe es keine Ranch mehr, kein Vieh mehr, keine Erinnerung mehr.

„Dieser Berg steht nicht zum Verkauf“, sagte Thomas.

Don Aurelio senkte den Blick.

—Auch Mateo hat unterschrieben.

Die Stille lastete schwerer als ein Stein.

Mateo, derselbe, der vor Jacintas Grab versprochen hatte, sich um diese Ländereien zu kümmern.

Mateo, der als Kind barfuß den Hühnern hinterherlief.

Familienrecht

Mateo, der unter Tränen sagte, er würde die Ranch niemals verlassen.

„Wie viel haben sie dir gegeben?“, fragte Thomas.

—Ich weiß es nicht. Aber El Gavilán kommt morgen mit fünf Mann und zwei Kettensägen. Er hat gesagt, man solle sich vom Tor fernhalten, sonst würden sie einen umbringen.

Thomas antwortete nicht.

Don Aurelio ging mit Scham auf dem Rücken fort.

An diesem Nachmittag stieg der alte Mann allein den Hügel hinauf, um einen umgestürzten Zaun zu begutachten. Er trug einen Rucksack, eine rostige Zange und Jacintas blauen Schal, der noch immer nach Waschmittel roch.

Mensch und Gesellschaft

Der Berg war seltsam.

Die Vögel sangen nicht. Es gab keine Eichhörnchen. Nicht einmal der Wind wehte wie früher durch die Kiefern.

Dann hörte er einen lauten Knall.

Und dann noch einer.

Als ob etwas Großes gegen die Erde kämpfen würde.

Wenige Meter von der Schlucht entfernt entdeckte er einen Steinadler, der in Stacheldraht gefangen war.

Herrenbekleidung

Es war riesig, mit dunkler Brust und goldenen Augen. Sein rechter Flügel war verheddert, eine Kralle blutete, und eine blasse Feder an seinem Hals glänzte wie eine weiße Wunde.

Überall waren Stiefelabdrücke.

Viele.

Außerdem Zigarettenkippen, eine Bierdose und Abdrücke von Leuten, die danebenstehen und starren.

Jemand hatte ihr Leid gesehen.

Jemand hatte es dort zurückgelassen.

Geologie

„Auch du wurdest verraten, Mädchen“, flüsterte Thomas.

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